SULM – Schweizerische Union für Labormedizin | Union Suisse de Médecine de Laboratoire | Swiss Union of Laboratory Medicine

Aktuelle Ausgabe | Numéro actuel

Nr. 05/2020 Zoom auf Viren | Zoom sur les virus

Inhaltsverzeichnis | Sommaire

Editorial
Gilbert Greub
Schwerpunkt Viren: globale Erwärmung und Impfstoffe | Zoom sur les virus: réchauffement climatique et vaccins (pdf)
Die globale Erwärmung war 2019 eines der heissen Themen und ist es heute genau so. Sowohl auf der politischen Agenda als auch in den Medien. Sie steht bei vielen Wissenschaftlern ganz oben auf der Liste der Anliegen. Wir Mikrobiologen beobachten die Auswirkungen des Klimawandels intensiv. Frida Bünzli greift das in der Zeichnung auf, die das Titelblatt der aktuellen Ausgabe der «pipette» ziert. Im Zuge der globalen Erwärmung tauen Gletscher und Permafrost. Dabei geben sie nach und nach jahrhundertealte Leichen frei, die möglicherweise mit gefährlichen Viren infiziert sind – unter anderem Pocken. Was das bedeutet, lesen Sie in dieser Schwerpunktausgabe zum Thema Viren…

Education
Damien Jacot, Onya Opota, Antony Croxatto, Katia Jaton, Oriol Manuel, Giuseppe Pantaleo, Gilbert Greub
SARS-CoV-2 im Brennpunkt | Zoom sur le SARS-CoV-2 (pdf)
Das SARS-CoV-2 hat sich in wenigen Monaten von der Stadt Wuhan aus über die ganze Welt verbreitet. Dank der raschen Entwicklung molekulardiagnostischer Tests gelang es, wirksame epidemiologische Kontrollmassnahmen einzuführen. Erste serologische Studien ergaben eine Seroprävalenz von nur 10 %, weshalb wohl leider mit einer Rückkehr des Virus im Herbst zu rechnen ist. Damit beschleunigt sich das weltweite Wettrennen um eine wirksame Behandlung und die Entwicklung eines Impfstoffs. Derzeit werden mehr als 29 Impfstoffkandidaten mit bereits 7 Formulierungen in klinischen Studien der Phase III geprüft. Wann ein Impfstoff auf dem Markt sein wird, lässt sich jedoch nach wie vor kaum vorhersagen, da trotz allen unternommenen Anstrengungen eine Impfstoffentwicklung Monate bis Jahre in Anspruch nimmt.

Marie Ongaro, Francesco Negro, Sophie Clément
Das Hepatitis-B-Virus: Biologie und Klinik | Virus de l’hépatite B: biologie et clinique (pdf)
Die chronische Hepatitis B wird durch das Hepatitis-BVirus (HBV) hervorgerufen, ein hepatotropes DNA-Virus aus der Familie der Hepadnaviridae. Es verursacht eine akute Hepatitis mit dem Risiko des Fortschreitens zu einer chronischen Form (insbesondere bei Neugeborenen und Kleinkindern), die in der Folge häufig zu Zirrhose und Leberzellkarzinom (HCC) führt. Trotz der Verfügbarkeit eines wirksamen Impfstoffs stellt die HBVInfektion nach wie vor ein bedeutendes und noch immer unterdiagnostiziertes Gesundheitsproblem dar. Ihre geschätzte Prävalenz beträgt das Sechsfache der HIVPrävalenz. Im Jahr 2016 richtete die WHO ein Programm zum Management der Virushepatitiden ein, dessen wichtigstes Ziel darin besteht, die Virushepatitis als ernsthafte Bedrohung der öffentlichen Gesundheit bis 2030 mithilfe von Massnahmen auszuschalten, die den Zugang zu Impfstoffen und Behandlungen erleichtern, sowie durch die Prävention der Übertragung an Neugeborene bei der Geburt.



Das Hepatitis-B-Virus: Biologie und Klinik | Virus de l’hépatite B: biologie et clinique > References (pdf)

Education
Britta L. Hirsch, Rainer Gosert
Therapieresistenz von Herpes-simplex- Reaktivierung: neue Möglichkeiten in der Labordiagnostik? | Résistance thérapeutique dans laréactivation de l’herpès simplex: de nouvelles possibilités en diagnostic de laboratoire? (pdf)
Reaktivierung von Herpes-simplex-Virus (HSV)-1 und -2 betreffen 5–25 % der Bevölkerung. Acyclovir (ACV) ist in den meisten Fällen wirksam gegen HSV, aber ACV-Unterdosierung, lang andauernde ACV-Einnahme und Immunschwäche sind Risikofaktoren für ein klinisches Versagen und die Entstehung viraler ACV-Resistenz. Die Labordiagnostik hat Limitationen: Bekannte genotypische Resistenzen sind auf wenige Mutationen beschränkt, während phänotypische Resistenztests variabel und zeitaufwendig sind. An zwei Fallbeispielen geben wir eine Übersicht zu aktuellen Möglichkeiten der HSV-Resistenztestung…

Gilbert Greub, Vincent Barras
Pocken: verheerende Vergangenheit, rettende Impfung und mögliche künftige Risiken| La variole: un passé dévastateur, une vaccination salvatrice et de possibles risques futurs (pdf)
Dieser Artikel gibt einen Überblick über die verheerenden Auswirkungen der Pocken in der Vergangenheit und ihre Ausrottung dank der Impfung. In den vergangenen Jahrhunderten galten die Pocken aufgrund der damit verbundenen hohen Sterblichkeit als biologische Waffe und wurden als solche von europäischen Siedlern während des Krieges gegen indigene Völker in Amerika eingesetzt. Sollte es zu einem Wiederauftreten der Pocken kommen, beispielsweise infolge einer versehentlichen oder vorsätzlichen Freisetzung aus einem der bekannten Laborbestände oder einem nicht verzeichneten Bestand oder als Folge von globaler Erwärmung und Permafrostschmelze, bestünde die Gefahr einer Pandemie durch eine aerosolübertragene Krankheit mit einer weit höheren Mortalität als bei SARS-CoV-2, wenn man die zeitliche Verzögerung zwischen den möglichen ersten Fällen und dem Seuchenalarm, die relativ wenigen verfügbaren Impfstoffdosen sowie die fehlende Immunität bei fast 70 % der derzeitigen Bevölkerung berücksichtigt. Obwohl die Pocken ausgerottet sind, besteht also noch immer Grund zur Besorgnis.

Gilbert Greub
Riesenviren: von Mimivirus bis Lausannevirus | Virus géants: du mimivirus au lausannevirus (pdf)
Obwohl für Riesenviren keine pathogenen Eigenschaften nachgewiesen wurden, konnte dank ihrer Entdeckung und eingehenden Erforschung (i) aufgezeigt werden, dass der Verlust von genetischen Informationen unter allopatrischen Bedingungen häufiger auftritt und diese Viren eine relativ niedrige Mutationsrate in der Grössenordnung von 3 bis 8 Mutationen pro Jahr aufweisen, und (ii) dokumentiert werden, welche Bedeutung der Endonuklease und der Nudixhydrolase bei der Replikation des Lausannevirus innerhalb der Amöbe zukommt. Die genomischen Studien haben ferner zum Nachweis viraler Proteine beigetragen, die eukaryotischen Histonen ähneln, die die Genomstabilität des Lausannevirus erhöhen sowie mit der DNA des Amöbenwirts interagieren könnten.

Education
Gibert Greub
Riesenviren: von Mimivirus bis Lausannevirus | Virus géants: du mimivirus au lausannevirus > References (pdf)

Education
Michel Aragno, Gilbert Greub
Toxische Cyanobakterien | Cyanobactéries toxiques (pdf)
Cyanobakterien vermehren sich im Sommer oftmals stark aufgrund der hohen Temperaturen oder der Änderungen im Säuregrad oder Phosphorgehalt der Seen; daher ist es gut möglich, dass wir in Zukunft im Zuge des Klimawandels stärker mit ihnen konfrontiert sein werden. Cyanobakterien sind einerseits aussergewöhnlich aufgrund ihrer metabolischen Eigenschaften, die einst für die Evolution von Eukaryonten von wesentlicher Bedeutung waren, andererseits teilweise gefährlich aufgrund ihrer Toxine. Das Risiko für den Menschen ist begrenzt, da wir im Gegensatz zu Hunden, die vor allem bei sommerlicher Hitze auch grössere Mengen Seewasser trinken, um ihren Durst zu stillen, höchstens einmal baden gehen. Allerdings ist das Schwimmen in Cyanobakterien-belasteten Gewässern zu vermeiden, da diese Bakterien je nach produziertem Toxin verschiedene Beschwerden und Symptome beim Menschen hervorrufen können, darunter Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Durchfall, Muskel- und/oder Gelenkschmerzen, Hauterkrankungen und Kopfschmerzen.

News
Andreas Huber
Update zu COVID-19: Diagnose im ambulanten Bereich | Mise à jour concernant le COVID-19: diagnostic en ambulatoire (pdf)
Am 3. August 2020 hat das BAG eine weitere Empfehlung publiziert. Es geht dabei um die Diagnose im ambulanten Bereich, wobei die Indikationen und Interpretationen der PCR-Tests detaillierter beschrieben sind, und in einem Anhang wird auf Aspekte beim Einsatz von serologischen Tests eingegangen. Nachfolgend eine kritische Beurteilung der aktuellen Situation…

Andreas Huber
Update zu COVID-19: Diagnose im ambulanten Bereich | Mise à jour concernant le COVID-19: diagnostic en ambulatoire (pdf)

Andreas Huber, Roman Fried
Doch nicht vom Aussterben bedroht… | Pas encore mort ... (pdf)
In der «pipette» Nr. 3 haben wir über die Nöte unseres Journals der «Swiss Laboratory Medicine» berichtet. Ein paar Monate später stehen wir an einem anderen Punkt. Vielen Dank für die konstruktiven Feedbacks…

Andreas Huber, Roman Fried
Pas encore mort ... (pdf)

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